Darum mitmachen - hinter die Kulissen von TeenKom (1)
Interview mit Herrn Bagliyan
Ein Interview am 12. Dezember 2008 mit Herrn Bagliyan, Inhaber von CS Forma Teamsport, einem überregional tätigen Spezialisten für die sogenannte Beflockung von Sporttextilien. Das Einzelhandelsunternehmen wurde vor acht Jahren auf Internetbasis gegründet. Aufgrund von lokaler Nachfrage eröffnete Herr Bagliyan vor einem Jahr ein Sportgeschäft mit angeschlossener Werkstatt und drei Mitarbeitern in günstiger Nähe zu Post und zum Bahnhof Schöneweide. Zu den Stammkunden zählen unter anderem der Deutsche Basketball Bund, Hamburg Galatasaray und Sportvereine in ganz Berlin. Herr Bagliyan ist, seitdem er Mitte September 2008 durch einen TeenKom Coach angesprochen wurde, Kunde in TeenKom. Seine zwei jugendlichen Kinder nehmen mittlerweile auch – als Blitzjobber – in TeenKom teil.
Herr Bagliyan, warum haben Sie sich entschieden, in TeenKom mitzumachen?
Die Idee zu TeenKom finde ich ganz toll. Die Jugendlichen an die Arbeitswelt heranzuführen, dass sie ein bisschen schnuppern können, wo sie auch selber Erfahrungen sammeln können und dazu auch noch ein bisschen Geld verdienen können. Der größte Vorteil, denke ich, ist, dass Jugendliche sich nicht festlegen müssen auf eine Arbeit, sondern sehr vielseitig eingesetzt werden können. Sie können ihren Interessen nachgehen und haben gleichzeitig auch noch eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung.
Was bringt Ihnen TeenKom für Sie selber?
Falls ich kurzfristig Arbeit habe, die ich nicht selber ausführen kann oder wenn wir überlastet sind, sei es eine Lieferung innerhalb Berlin, sei es Materialbeschaffung, also Aushilfsarbeiten, die kann man relativ kurzfristig an TeenKom anfragen, und dann kommt ein Blitzjobber in der Regel innerhalb von einigen Tagen, einigen Stunden, je nach dem wie Jugendliche verfügbar sind. Man kann die dann kurzfristig einsetzen, was uns zugute kommt, weil wir manchmal, wie jetzt gerade zur Weihnachtszeit, ziemlich stark ausgelastet sind.
Wie sehen Sie TeenKom im Stadtteil? Was ist TeenKom im Gefüge eines Stadtteils?
Ich denke, gerade in diesem Stadtteil ist es schwierig, weil Jugendliche vor Langeweile – ich sage mal durch Alkoholkonsum oder auch, ja, ich sage mal: Sinnlosigkeit – abgehalten werden von sinnvoller Beschäftigung. Wobei ich teilweise auch vor dem Geschäft oder abends häufig sehe, dass sie eigentlich vor Langeweile nicht wissen, was sie machen sollen, weil sie noch keine Ausbildungsstelle haben oder eben in dieser schwierigen Zeit zwischen 15 und 18 sind. Und da finde ich es schon ganz gut, dass es so ein Projekt wie TeenKom gibt.
Wie denken Sie: stimmen die in der Regel sehr kurzen Jobeinsätze mit den Bedürfnissen oder Möglichkeiten der Jugend überein? Welche Bedeutung haben die Blitzjobs für die Jugend?
Meine persönliche Meinung ist, dass es nur eine Einführung in das Berufsleben sein kann, wobei die Jugendlichen nicht regelmäßig der Arbeit nachgehen, sondern dann, wenn sie Zeit haben und sich zur Verfügung stellen. Das kann zu ganz unterschiedlichen Tages- und auch Uhrzeiten sein, und dadurch kann es nur ein Einstieg bzw. ein Reinschnuppern ins Berufsleben sein. Z. B. dass ein Verkäufer nicht nur Sachen verkaufen muss, sondern auch auspacken, kontrollieren, Kundengespräche führen oder in einer Produktion die Rohware so verarbeitet werden muss, dass sie am Ende verkaufsfähig oder versandfertig ist.
TeenKom sieht ja vor, Jugendliche von anderen Jugendlichen coachen zu lassen. Denken Sie, dass das gelingen kann?
Das Coaching unter Jugendlichen, denke ich, kann nur unterstützend wirkungsvoll sein, weil doch eine gewisse Kontrollfunktion von TeenKom, von erwachsenen bzw. erfahrenen Menschen dabei sein muss.
Welche Rolle bzw. Verantwortung kommt auf TeenKom Kunden bzw. den Kunden zu?
Die Arbeitgeber, sprich die Kunden von TeenKom, haben natürlich sofern die Verantwortung, weil es sich größtenteils um Jugendliche jüngeren Alters handelt. Es geht ja schon ab 13 Jahren los. Die Kunden müssen ihre Obhutspflicht wahrnehmen, dass sie die Jugendlichen nicht ausnutzen in dem Sinne, dass sie arbeiten aufgetragen bekommen, die sie nicht ausführen können bzw. dürfen.
Fühlen Sie, dass Sie mit dem TeenKom System und dem Coaching eine Unterstützung bekommen, dass eine Brücke zwischen Jugendlichen und Kunden ermöglicht wird?.
Als Unternehmen, als Sportgeschäft, habe ich sehr viele Praktikanten, weil wir auch mit Schulen arbeiten und so Praktikumsplätze drei bis viermal pro Jahr belegen können. In der Umgebung hier ist es eine Realschule, eine Hauptschule und ein Gymnasium. Durch TeenKom und den Blitzjobber wird die Arbeit etwas besser verteilt, etwas genauer von der Zeitplanung her kann man besser planen. Generell ist es für mich wirklich wichtig, dass die Faktoren Zeit und Nutzen sehr nah beieinander liegen. Dadurch ist es, denke ich, sinnvoll, dass in diesem Projekt der Kontakt zwischen den Kunden und TeenKom ziemlich eng gehalten werden sollte.
Sehen Sie die Möglichkeit, dass in TeenKom auch Jugendliche, die es ein bisschen schwieriger haben, eine Chance bekommen?
Also, Problem-Jugendliche, kann man durch TeenKom nur zeigen, wie es gehen kann. Ich glaube nicht, dass man damit den Jugendlichen direkt hilft. Weil meistens diese Jugendlichen in der Schule Probleme haben, privat starke Probleme haben und eigentlich einen Ausbildungsplatz bzw. eine Lehre absolvieren müssten, damit sie eine Perspektive haben. Man kann den Weg zeigen und die Jugendlichen können, wenn sie es dann nutzen, Möglichkeiten sehen, wo ihre Interessen liegen, wo ihre Stärken und Schwächen liegen, weil man kann nur, denke ich mal, das Interesse so hingehend lenken, wenn mann die nötige Erfahrung sammelt.
Mit Herr Bagliyan sprach TeenKom Projektleiter Per Traasdahl




