Zwischen Utopie, Theorie und Wirksamkeit
2002 entstanden die ersten Ideen zu TeenKom. Drei ArtSourceLab Akteure - die aus Russland eingereiste Kulturmanagerin Svetlana Danilova, ihr 14jährige Sohn Vitali und der dänische Künstler Per Traasdahl - führten ein Gespräch über neue Kommunikationsmittel unter Jugendlichen. Plötzlich kam die Idee auf, dass man eine Form von Spiel entwerfen könnte, mit dem Jugendliche ihre eigenen Netzwerke entwerfen und damit Dienstleistungen in ihrem Stadtteil anbieten könnten.
Per hatte in dieser Zeit einen Honorarjob in einem Jugendprojekt. Dort konnte er erleben wie der alte Slogan „die Teilnehmer abholen, dort wo sie stehen“ seitens der Projektmanager in der Praxis umgesetzt wurde. Umgang mit Jugendlichen auf Augenhöhe war angesagt, aber nur solange es nicht um wirkliche Macht ging, beispielsweise bei Fragen zur Schlüsselgewalt, Öffnungszeiten und Geld.
Das neue Projekt, das bald den Namen TeenKom fand, sollte also doch ernsthaft die Jugendlichen dazu ausrüsten, ihr eigenes Unternehmertum verfolgen zu können. Und somit fingen die drei Migranten an, zu formulieren und zu zeichnen – bald wuchs eine eigene Welt mit besonderen Rollen, Rechten und Verantwortungsbereichen. Alles natürlich mit den neuesten Kommunikationsformen wie SMS und Internet.

Eine der Grafiken des ersten preisgekrönten TeenKom-Konzepts
Mit den gebündelten Erfahrungen aus der Wirtschaft, der Kunst und aus den Wahrnehmungen eines Jugendlichen schien TeenKom zunächst eine bloße Utopie zu sein. Aber es machte eine Menge Spaß, sich Rollen und eine eigene Terminologie auszudenken. Es entstanden Bezeichnungen wie Citizen Executive (CE), Extroverted Feedback Service (EFS), Host Implemented Networking (HIN) und Growth Preference Tracking (GPT).
Das fertige Konzept dieses 1. TeenKom Masterplans wurde zu einem Wettbewerb der Jugend- und Familienstiftung des Landes Berlin geschickt, und groß war die Freude, als das Konzept den 1. Innovationspreis gewann. Jetzt war die Idee geboren, und es folgten unter Mitwirkung des mittels eines Praktikums zugestoßenen Politikwissenschaftsstudent Volker Kaul sowie des Philosophiestudenten Patrick Grüneberg weitere konzeptuelle Entwicklungsarbeit und viele Verhandlungen, bis 2005 ein erstes Testprojekt in Berlin Schöneberg Nord in einer Trägerschaft mit dem Verband für sozial-kulturelle Arbeit stattfinden konnte.

TeenKom Schöneberg Nord / Vor-Ort-Community
In der Zwischenzeit waren rundum TeenKom ein sowohl spielerischer Umgang mit Gedankenmodellen als auch konkrete wissenschaftliche Beiträge entstanden. TeenKom wurde u.a. am 8. Kongress Armut und Gesundheit an der Charité Campus Virchow-Klinikum 2002 und an der 5th European Conference for Community Psychology 2004 ebenso in Berlin erfolgreich vorgestellt und diskutiert. Begriffe wie Soziale Meta-Struktur, location-based versus interest-based communities, Dual Terminology und psychosoziales Mainstreaming wurden von ArtSourceLab geprägt und international vorgestellt.
TeenKom war ArtSourceLabs wichtigstes Projekt geworden und die Zirkel breiteten sich aus. 2004 wurde ArtSourceLab stimmberechtigtes Mitglied in das Bundesnetzwerk für Bürgerliches Engagement (BBE) gewählt. Im Zuge davon als Mitglied der BBE Arbeitsgruppe Corporate Citizenship und als eingeladener Experte an Tagungen im Rahmen von Forschungsprojekten zur Corporate Social Responsibility wurde im Hinterkopf der ArtSourceLab Referenten das TeenKom-Konzept immer wieder neu überlegt und angepasst.
TeenKom war – bevor es überhaupt eine längere Praxisphase hinter sich hatte – zu einer Plattform für Innovation geworden. Man kann sagen, das Konzept hatte ein ganzheitliche Form bekommen, wobei Fragen zur Integration, Schulpolitik und Stadtteilentwicklung eng mit marktbasierten Dynamiken verknüpft wurden. TeenKom weiter zu entwickeln würde daher nur mit einer größeren Anschubsfinanzierung für die begleitende Softwareentwicklung und einer mindestens dreijährigen Laufzeit Sinn machen. TeenKom selbst lag also während Verhandlungen mit möglichen Projektträgern auf der Lauer, und der Ansatz hatte sich umgesprochen.
2006-07 wurde ArtSourceLab von Bildungscent beauftragt, das Pilotprojekt Stärken stärken in drei Berliner Schulen mitzuentwickeln. 2007-08 folgte von Kids & Co das Projekt VBO (Vertiefte Berufsorientierung) im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf. In beiden Projekten ging es darum, Schüler der 8. bis 10 Klassenstufe an die Arbeitswelt heranzuführen, wobei die Eigeninitiative und Selbstwirksamkeit gefördert werden sollten.

Dokumentation aus „Stärken stärken“, Bildungscent e.V. 2006-07
In beiden Projekten bildeten sich Szenarien, die schnell ahnen ließen, dass es neue Impulse innerhalb des schulischen Kontextes schwer haben würden. Und zwar nicht wegen der vermeintlich zu erwartenden Unmotivation der Schüler, sondern weil sich die Schulsysteme und die Planungsgruppen, die zwischen Arbeitsamt, Jugendamt und Schulbehörde koordinieren, schließlich sehr weit weg von der Lebenswelt der Jugend befinden. Zentrale Fragen zur Bildung von Motivation, Eigeninitiative und Reflexion wurden kaum angesprochen. Für TeenKom sind mit diesen Projekten viele Erfahrungen gesammelt worden, wobei sich TeenKom kaum direkt an den schulischen Kontext angliedern wird. Die Vorgehensweise, der Umgang mit dem Lernen in der Welt von TeenKom, wird aber ganz sicher eine komplementäre Form zu jener der Schule anbieten. Im besten Fall werden neue Impulse zu berufsorientierenden Maßnahmen gegeben.
Links
- Jugend- und Familienstiftung des Landes Berlin
- Bundesnetzwerk für Bürgerliches Engagement
- Berlin Association for social-cultural work
- Bildungscent e.V.
- Kids & Co


